ITB Berlin - Tourismus (und Übersetzerin) auf der Messe

Es ist der 9. März, kurz nach Tagesanbruch, und ich bin bereit für den Kampf. Meine Waffen: meine Broschüre, Visitenkarten und ein strahlendes Lächeln. Mein Schlachtfeld: Die ITB 2018, die bedeutendste internationale Fachmesse der Tourismusindustrie. Berlin, ich komme!

Der Schnellzug, der mich von Hannover in die Hauptstadt bringt, ist überfüllt. Mir gegenüber verbringt eine vollschlanke Dame ihre Zeit mit einem Nickerchen, mehreren Snacks und dem Herumspielen auf dem Smartphone. Ich bin hingegen ein wenig aufgeregt, studiere aufmerksam den Plan des Messegeländes und versuche, die ideale Strecke auszuarbeiten, um in möglichst kurzer Zeit die größtmögliche Zahl an interessanten Ständen besuchen zu können.

Ich nehme die S-Bahn und steige schließlich beim Bahnhof Messe Süd aus. Hier folge ich der im einheitlichen Businesslook gekleideten Menschenflut, die sich im Eilschritt in Richtung der Ausstellung bewegt. Ja, auch heute noch ist die Messe den Fachbesuchern vorbehalten – und ich zähle dazu.

Mein Zeitplan ist ganz schön straff. Tourismusvereine und -verbände, Werbeagenturen und Softwareentwickler für die Hotelbranche. Die Liste der potentiellen Kunden, mit denen ich Kontakt aufnehmen möchte, ist fast so lang wie die Gänge durch die Messehallen. Wie erwartet, verlaufen die ersten Versuche, ins Gespräch zu kommen, nicht gerade optimal. Dann werde ich langsam selbstsicherer und meine Kommunikationstechnik verfeinert sich von Messestand zu Messestand. Bei den Worten „Übersetzerin für Deutsch-Italienisch“, „Fachgebiet Destinationsmarketing”, „Alpintourismus, Wellness und Outdoor” oder „Softwarestrings für Verwaltungssysteme für Hotels“ spitzen einige Aussteller die Ohren und bitten um weitere Informationen. Es sind nicht viele, aber vielleicht die richtigen? Das wird sich zeigen. Für den Augenblick freue ich mich über jede überreichte Broschüre und jede eingesammelte Visitenkarte. Und ich hoffe, dass ich auch jenen Personen, die glauben, keinen professionellen Übersetzer zu brauchen, „weil es in der Firma einen Kollegen gibt, der sehr gut Italienisch spricht“, verständlich machen konnte, dass eine Übersetzung nach allen Regeln der Kunst eine ganz andere Sache ist.

Am späten Nachmittag fühle ich mich durch diesen Kraftakt zwar leicht benommen, aber auch voller Anregungen und guter Vorsätze, um die Organisation meines nächsten Messebesuchs zu verbessern. Schlüsselwörter: Corporate Identity und vorab vereinbarte Besprechungstermine.

Während ich mich auf den Weg zum Messeausgang mache und schon mit dem Gedanken spiele,  einen Rucksack und Kugelschreiber mit dem Logo von Longo Linguae zu entwerfen, sehe ich die Dame, die ich schon im Zug getroffen hatte: Sie sitzt in einem der Lounge-Bereiche und hat sichtbar Probleme mit den schmerzenden Füßen. Wie gut ich sie verstehe!

 

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