Almwirtschaft – Viehzucht und Tourismus in den Dolomiten

Im Tal erstrahlen die Buchen in feurigem Orange, weiter oben am Berg leuchten die goldgelben Lärchen und ganz oben sind die Gipfel vom ersten Schnee bestäubt. In den Alpen beginnt der Herbst und gleichzeitig endet eine besonders spannende Zeit für den Tourismussektor in den Bergen. Nein, hiermit meine ich nicht Ferragosto, die Hauptreisezeit in Italien um den 15. August, sondern eine Tradition der Viehwirtschaft im Gebirge, die seit einigen Jahren die hiesige Sommersaison um mehrere Wochen verlängert: den Almabtrieb, auf Italienisch „rientro dall'alpeggio“.

Warum so eine umständliche Formulierung wie „rientro dall’alpeggio“, wenn die italienische Sprache den praktischen Begriff „transumanza“ (Wanderweidewirtschaft) bereitstellt? Weil es nicht dasselbe ist. Und hier schreibt eine auf Tourismus und Gebirge spezialisierte Übersetzerin, die es mit den Begriffen sehr genau nimmt, wenn es um Wörter und die Berge geht.

Der Begriff „transumanza“ – zu Deutsch Transhumanz oder Wanderweidewirtschaft – bezieht sich auf den Brauch, bei dem Viehherden im Lauf des Jahres von einem Ort zum anderen wandern. Spricht man im Italienischen von „transumanza“, denkt jeder sofort an die Fernwanderweidewirtschaft, die einst zwischen den Bergen der Regionen Abruzzen und Molise und den Weiden des Tavoliere in Apulien üblich war. Damals wanderten die Herden im Herbst hinunter auf das fruchtbare Weideland der apulischen Ebene und verbrachten die Sommermonate in den frischeren Bergen. Die in den Alpen übliche Wanderweidewirtschaft läuft aber anders ab und kann als Almwirtschaft zusammengefasst werden.

Sie funktioniert folgendermaßen – und ich schreibe hier bewusst im Präsens, da es sich um einen Brauch handelt, der in der Viehzucht im Gebirge, insbesondere in Trentino-Südtirol und im Aostatal, noch heute aktuell ist. Am Anfang des Sommers findet hier der Almauftrieb statt: Kühe, Pferde aber auch Schafe und Ziegen werden hoch oben auf die Alm – die sogenannte „malga“ – getrieben, wo sie den gesamten Sommer verbringen. Die Almwirtschaft hat zahlreiche vorteilhafte Auswirkungen. Die Bewegung durch teils unwegsames Gelände bedeutet für die Tiere jede Menge körperliche Betätigung, welche sich positiv auf ihren Gesundheitszustand und dadurch auch auf die Qualität der aus ihren Erzeugnissen hergestellten Produkte auswirkt. Außerdem verleiht die besondere Vielfalt an Kräutern im hohen Gebirge den aus Almmilch gewonnenen Produkten wie Butter und Käse ein einzigartiges Aroma. Und im Tal? Hier kümmern sich die Bauern in der Zwischenzeit um das Futter für den Winter, indem sie die Wiesen im Tal und auf mittleren Höhen einmal oder auch mehrmals mähen. Ein Kreislauf, von dem Menschen wie Tiere gleichermaßen profitieren.

Zwischen Anfang September und Anfang Oktober ist es dann für die Viehherden Zeit, aus der „Sommerfrische“ in ihre Dörfer zurückzukehren. Und hier kommen wir zu dem Ereignis, das jedes Jahr tausende und abertausende Touristen anzieht, insbesondere in den Dolomiten. Der Almabtrieb – im Italienischen „demonticazione“ oder eben „rientro dall’alpeggio“ (aber bitte nicht „transumanza“!) – ist ein rauschendes Fest zu Ehren der kostbarsten Einnahmequelle der traditionellen Land- und Viehwirtschaft in den Bergen: der Tiere. Diese werden festlich geschmückt mit Blumen, Bändern, Tannenzweigen und Glocken. Der Anlass brachte einst die Dorfgemeinschaft zusammen und bietet heute eine weitere Gelegenheit, die Gegend und ihre Produkte einem breiteren Publikum bekannt zu machen.

Sie waren noch nie bei einem Almabtrieb dabei? Besuchen Sie das Valle di Primiero im Trentino zur Gran Festa del Desmontegar, wie die traditionelle Feier hier genannt wird – und buchen Sie unbedingt frühzeitig.

Sie sind ein Tourismusverband oder ein Gastbetrieb in den Bergen und sind auf der Suche nach einer auf Bergtourismus spezialisierten Fachübersetzerin für Deutsch-Italienisch? Überlassen Sie nichts dem Zufall und kontaktieren Sie mich.

 

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